# POLICY BRIEF · BERLINER SENATSVERWALTUNG FÜR BILDUNG, JUGEND UND FAMILIE
## Educational Technologist an Berliner Schulen
### Ein Pilotvorschlag – evidenzbasiert, international erprobt, sofort umsetzbar
**edutechberlin.de · Thomas Nadler · April 2026**
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Berlin hat in digitale Infrastruktur investiert. Die pädagogische Wirkung bleibt hinter dem Potenzial zurück – nicht wegen fehlender Motivation der Lehrkräfte, sondern wegen einer strukturellen Lücke, die weder der Koalitionsvertrag noch die vorhandenen Unterstützungsstrukturen bislang geschlossen haben.
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\begin{tcolorbox}[colback=blue!5!white,colframe=senatblue,title=\textbf{Das Problem},fonttitle=\sffamily]
Der Berliner Koalitionsvertrag 2023--2026 verpflichtet den Senat, alle öffentlichen Schulen ans Gigabit-Netz anzuschließen. Der DigitalPakt hat Geräte bereitgestellt. Was fehlt, ist die Fachkraft, die Lehrkräfte dauerhaft begleitet, diese Infrastruktur didaktisch wirksam einzusetzen. Die aktuelle Datenlage zeigt die Überlastung:
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\begin{multicols}{2}
\noindent\textbf{\Large 71\%} erleben Zusatzbelastung \\
\textbf{\Large 61\%} fühlen sich zu wenig unterstützt \\
\textbf{\Large 6\%} erleben Entlastung \\
\textbf{\Large 79\%} im Burnout-Risiko
\end{multicols}
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\small\textit{Quellen: GEW/Göttingen-Studie, Arbeitspapiere 1, 7, 8 (Mußmann/Hardwig 2024/2025, n\,=\,2.385 Berliner Lehrkräfte)}
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Das Problem sitzt tiefer als der Schulalltag: Laut Monitor Lehrkräftebildung 2024/25 bieten nur 7–10\% der deutschen Hochschulen verpflichtende KI-Inhalte im Lehramtsstudium an (Bertelsmann Stiftung / CHE / Robert Bosch Stiftung / Stifterverband, Januar 2026). Lehrkräfte kommen strukturell nicht ausgestattet aus dem Studium und finden im Dienst keine dauerhafte Begleitung.
Das Europäische Parlament hat diese Lücke im März 2026 als Gerechtigkeitsproblem benannt: KI droht einen **„flipped AI divide"** zu erzeugen – Schülerinnen und Schüler aus einkommensschwachen Verhältnissen werden zunehmend auf KI-gestützte Instruktionstechnologie verwiesen, während Kinder aus wohlhabenderen Familien weiterhin menschliche Lehrkräfte erleben. Außerdem riskiert die Delegation pädagogischer Entscheidungen an Algorithmen „automated abdication" und „cognitive atrophy" bei Lehrkräften. *(Holmes, W. (2026). Artificial Intelligence in Classrooms: Ethical Dimensions. EP Briefing PE 784.573, CULT-Ausschuss, März 2026)*
Erschwerend kommt hinzu: KI ist in Schulen längst als *arrival technology* angekommen. Ivo Visak (CEO TI-Hüpe) warnt: „Deshalb ist Untätigkeit keine neutrale Entscheidung. Wenn die Schule die Regeln nicht selbst festlegt, tut es jemand anderes." *(ERR, 17. März 2026)*
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## Die Antwort: Educational Technologist
Ein Educational Technologist (ET) ist eine hauptamtliche Fachkraft für die didaktische Begleitung von Lehrkräften. Kein Unterricht. Kein IT-Support.
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\begin{tcolorbox}[colback=blue!5!white,colframe=senatblue,title=\textbf{Was die Forschung zeigt},fonttitle=\sffamily]
\renewcommand{\arraystretch}{1.4}
\begin{tabularx}{\textwidth}{lX}
\textbf{Estland, seit 2005} & Jede zweite estnische Schule hat eine ET-Stelle. Estland ist seit PISA 2022 europäischer Spitzenreiter. Das Forum Bildung Digitalisierung (Jan. 2026, S.\,33) nennt Estland explizit als \textit{„Best Practice"}. \\
\textbf{Virginia/USA, seit 2005} & Gesetzlich verankert: 1 ITRT per 1.000 Schüler:innen, ausschließlich didaktische Begleitung, kein IT-Support (Code of Virginia §\,22.1-253.13:2). \\
\textbf{Coaching-Wirkung} & Kontinuierliches, nicht-evaluatives Coaching erzielt Effektstärke 0,49 SD auf Unterrichtsqualität (Kraft, Blazar \& Hogan 2018, Meta-Analyse, 60 Studien); >80\% der begleiteten Lehrkräfte zeigten messbare Verbesserungen (Digital Promise, DLP Coaching Report 2018, 50 Schulen). \\
\textbf{Bardone et al. (2020)} & Der ET ist kein Technik-Integrator, sondern ein \textit{„variety-handler"}: Er orchestriert Werkzeuge so, dass Lehrkräfte nicht überfordert, sondern befähigt werden. (\textit{Education and Information Technologies}, 25, DOI: 10.1007/s10639-019-10091-5) \\
\textbf{Pata et al. (2022)} & Systemebene: 499 estnische Schulen (81\,\% des Schulsystems) zeigen drei messbare Stufen digitaler Reife. Stärkste Katalysatorvariable: die Lehrerrolle -- explizit: \textit{„Educational technologists may promote the digital transformation."} (\textit{Technology, Knowledge and Learning}, 27, DOI: 10.1007/s10758-021-09514-5) \\
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\begin{tcolorbox}[colback=white,colframe=senatblue,title=\textbf{Der Pilotvorschlag},fonttitle=\sffamily]
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\begin{tabularx}{\textwidth}{lX}
\textbf{Pilotdauer} & 18--24 Monate \\
\textbf{Stellenumfang} & 100\% (hauptamtlich, kein Unterricht, kein IT-Support) \\
\textbf{Pilotschulen} & 3--5 öffentliche Berliner Schulen (ein Bezirk) \\
\textbf{Trägerschaft} & Senatsverwaltung für Bildung; Begleitung durch BliQ \\
\textbf{Kosten} & ca. 75.000 € / Jahr (TVöD E13 inkl. AG-Anteil) \\
\textbf{Finanzierung} & DigitalPakt 2.0 + Landesmittel SenBJF + Stiftungen \\
\textbf{Evaluation} & Jährliche Berichte; Abschlussbericht mit Skalierungsempfehlung \\
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Zum Vergleich: Ein einziger burnoutbedingter Langzeitausfall kostet ca. **68.000–86.500 €** *(DAK/TK Gesundheitsreport 2025; IGA-Report 2024/2025)*. An Schulen mit hoher digitaler Reife liegt das Lehrkräfte-Wohlbefinden messbar um **10 WHO5-Punkte** höher als an Schulen mit geringer Reife (AP 4, S.\,12–14, n\,=\,2.385). Der Pilot rechnet sich durch Prävention.
## Warum jetzt – und warum dieser Pilot
* **Koalitionsvertrag:** Gigabit-Versorgung ist zugesagt, pädagogische Nutzung bleibt offen.
* **DigitalPakt 2.0 (2026–2030):** Erstmals eigenständige Säule für Schul- und Unterrichtsentwicklung.
* **Internationaler Konsens (März 2026):** 14 Länder bekennen sich zur KI-Begleitung (ISTP26, Tallinn). Estland koordiniert dies über ETs.
* **EU-Parlament (März 2026):** KI-Integration muss Lehrerautonomie schützen und digitale Ungleichheit verhindern.
**Berlin kann bundesweit den Standard setzen.**
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